Das Duell

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Bundesweiter Tag des offenen Denkmals war heute. Polizei, Bildung, Rauchverbote – alles ist Ländersache, aber das sonntägliche Aufreißen von Denkmaltüren regelt der Bund. Ich boykottiere das ja, schaue mir nie ein geöffnetes Denkmal an diesem Tag an, habe einfach besseres zu tun. Die letzten fünf bis zehn Jahre habe ich z. B. immer das Denkmal, in dem ich arbeite, interessierten Besuchern nahegebracht.

So auch heute.

Irgendwann betrat ein Pärchen mittleren bis fortgeschrittenen Alters das Haus. Ich bin beim schätzen immer so schlecht. Sechzehnjährige schätze ich meist auf Mitte 20 und Mittezwanzigjährige auf Fuffzig. Oder 49.

Dem fortgeschrittenen Pärchen begann ich also ein paar Kleinodien zu erklären, was sich aber als schwieriges Unterfangen erwies. Jedes Mal wenn ich Luft holte und ansetzte brach „sie“ lautstark in wahre Begeisterungsstürme über das gerade erblickte aus: „Mein Gott, ist das aber toll. Das haben sie aber schön rekonstruiert hier ….“ Also verstummte ich, wartete einige Sekunden ab, in denen „sie“ auch wirklich ruhig blieb, holte Luft und … „Haaaach, schau nur Hans-Dieter, schau!“

Nun waren Tricks gefragt! Der erste Versuch ohne Luft zu holen zeigte keinen Erfolg. Versuchsreihe zwei: Desinteressiert in der Gegend herumschauen, um dann urplötzlich wie ein Papagei, dem sein Pirat eine mit dem Enterhaken verpasst hat, loszusprechen. Fehlanzeige – „Da haben sie aber etwas sehr schönes hier! Das hätte ich in diesem Hause aber gar nicht erwartet!“

Dann also harte Bandagen! Ich ließ sie reden und erklärte einfach parallel dazu weiter bis ihr Mann mich freundlich anlächelte und etwas genervt auf seine Frau deutete: „Entschuldigen Sie bitte. Was haben Sie gesagt? Ich habe Schwierigkeiten damit zu folgen, wenn zwei Menschen gleichzeitig sprechen.“

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